Jedem Kind die Chance auf Heilung bieten: Diesem Auftrag hat sich die Kinderkrebshilfe Mainz e.V. verpflichtet. Jahr für Jahr werden deshalb mit Spenden die Forschungsprojekte des kinderonkologischen Zentrums in Mainz gefördert und finanziert. Einblick in die Arbeit des Zentrums erhalten wir von der Leiterin des Forschungsbereiches Dr. rer. nat. Claudia Paret. Ein Gespräch über neue Therapiestrategien und -methoden.

 

Frau Dr. Paret, Sie forschen nachdrücklich an der Entwicklung neuer Therapieverfahren im Kampf gegen den Krebs bei Kindern. Was sind die Ziele der heutigen Forschung?
Dr. Claudia Paret: Heutzutage ist es unser Ziel in der Forschung, den Krebs bei der Achillesferse zu packen. Das bedeutet, dass wir bei jedem Patienten verstehen möchten, wie es zu einer Tumorbildung kommen konnte – und gegen ihn vorgehen. Dies gelingt uns zum Beispiel durch die Methode des „Next Generation Sequencing“.

Können Sie ausführen, was sich hinter der Methode des „Next Generation Sequencing“ (NGS) verbirgt?
Dr. Claudia Paret: Stellen Sie sich vor, dass sich in jeder menschlichen Zelle Gene befinden, die der Träger von Erbinformationen sind. Diese Gene sind für die Zellen wie ein bestimmter Code, den sie entschlüsseln. Bei der Methode des NGS schauen wir uns die Reihenfolge des Codes eines Gens an. Wir sequenzieren es. Das ist wichtig, um zu erkennen, warum sich Gene verändern und dadurch zum Entstehen eines Tumors beitragen.

Was verändert sich durch das „Next Generation Sequencing“ für Krebspatienten?
Dr. Claudia Paret:  Für die medizinische Diagnostik ist der Schritt des NGS revolutionär: Durch ihn können wir die Tumorzellen eines Patienten komplett sequenzieren und darauf aufbauend das effektivste Medikament für unsere Patienten empfehlen.

Das bedeutet, dass durch die Methode des NGS jeder Patient individuell behandelt werden kann?
Dr. Claudia Paret:
Für viele unserer Patienten sind die klassischen Therapieverfahren ideal. Allerdings gibt es auch Kinder, für die wir mit klassischen Therapieprotokollen in vielen Fällen keinen Weg zur Heilung aufzeigen können. Eine adäquate Form der Therapie fehlt beispielsweise bei bestimmten Formen von Gehirntumoren. Für diese Patienten ist die Entwicklung einer individuellen Behandlung entscheidend. Dazu gehört auch die Krebsimmuntherapie, die in den letzten Jahren erste vielversprechende neue Ergebnisse gezeigt hat. Durch sie wird dem Immunsystem des Patienten „beigebracht“, Tumorzellen anhand ihrer deutlichen Veränderungen zu erkennen, zu eliminieren und von gesundem Gewebe zu unterscheiden.

Die gute Botschaft: Fast 80 Prozent aller Krebsarten bei Kindern und Jugendlichen können heute geheilt werden. Warum ist es gerade jetzt wichtig, intensiv weiter zu forschen?
Dr. Claudia Paret:
Heute in die Forschung zu investieren, bedeutet eine Grundlage zu schaffen, um in Zukunft unheilbar kranken Kindern zu helfen. Wir machen in diesem Bereich riesige Fortschritte, die leider oft sehr kostspielig sind. Durch Spenden konnten wir allein dieses Jahr zwei neue hochmoderne Laborforschungsgeräte anschaffen, die entscheidend dazu beitrugen, die Wirkung potentieller Therapien zu testen. Dies liefert auch über unser Zentrum hinaus einen wichtigen Beitrag in der Entwicklung neuer Behandlungsoptionen für krebskranke Kinder und Jugendliche.

Frau Dr. Paret, wir danken Ihnen herzlich für Ihre Zeit und dieses Gespräch.