Am 2. Sonntag im Dezember werden rund um die Welt um 19 Uhr Kerzen und damit Lichter für Kinder entzündet, die leider viel zu früh gehen mussten. Der Worldwide Candle Lighting Day macht auf die verstorbenen Kinder aufmerksam und zeigt: Ihr bleibt unvergessen!

Zu den Kindern, denen am Worldwide Candle Lighting Day gedacht wird, zählen leider auch kleine und größere Patient*innen, die ihre Krebserkrankung nicht überlebt haben. Auch wenn die Zahlen Grund zur Hoffnung machen und rund 80 Prozent der betroffenen Kinder und Jugendlichen geheilt werden können, bedeutet das im Umkehrschluss, dass noch immer eines von fünf Kindern an Krebs stirbt. Auch diese Kinder müssen gesehen werden, denn es muss noch so viel passieren, in der Kinderkrebsforschung und der Behandlung von Rezidiven oder Krebsarten mit schlechten Heilungschancen. Der Tod dieser Kinder darf kein Tabu sein – genauso wenig wie die Tatsache, dass es für manche Krebserkrankungen leider noch immer keine Heilung gibt.

Aus diesem Grund haben wir anlässlich des Worldwide Candle Lighting Day im vergangenen Jahr die Geschichte von Carl erzählt. Carl erkrankte 2020 im Alter von vier Jahren an einem hochaggressiven embryonalen Rhabdomyosarkom und verstarb im Sommer 2024 im Alter von acht Jahren an den Folgen der Erkrankung. Seine Familie hat vier Jahre lang an seiner Seite gekämpft – mit Carls Tod endet jedoch nicht seine Geschichte.

Wir haben Carls Mama, Psychologin und Psychotherapeutin Anna Cernko, in diesem Jahr erneut getroffen und erfahren, wie die erste Zeit der Trauer aussah und wie Carls Weg in den Tod sie inspiriert hat, anderen in einer ähnlichen Situation zu helfen und Bewusstsein zu schaffen für Kinder, die sterben werden.

Liebe Anna, danke für deinen Mut und deine Offenheit.

Es ist nun schon mehr als ein Jahr vergangen, seitdem Carl gestorben ist. Wie habt ihr die erste Zeit der Trauer erlebt?

Anna hält bei Carls Beerdigung die Rede.

Unsere Familie hat sehr individuell getrauert. Ich habe mir bewusst bis Ende 2024 Zeit genommen, um in diesem veränderten Leben, in dem Carl fehlt, anzukommen. Ich denke, in so einer Situation ist es ganz wichtig, nicht den Anspruch an sich selbst zu haben, funktionieren zu müssen. Trauer kommt in Wellen, ist sehr individuell und muss so gelebt und akzeptiert werden. Es gab Phasen, da haben wir als Familie zusammen getrauert. Phasen, da mussten wir allein sein, mit den Gedanken an Carl und unserer Trauer um ihn. Meine kleine Tochter Rosa ist zwei Jahre jünger als Carl und hat zunächst Zeit gebraucht, um die Endgültigkeit zu verstehen. Ihre Trauer fing erst um die Weihnachtszeit im letzten Jahr an, also ein halbes Jahr nach seinem Tod. Da brauchte sie viel Nähe. Carls Bruder Franz hat Carl ganz besonders in der Schule vermisst – das ist ihm sehr schwergefallen.

Was hat euch beim Trauern geholfen?

Wir haben Rituale geschaffen, die uns mit Carl verbinden. Wir besuchen regelmäßig gemeinsam das Grab und haben dort bei gutem Wetter gepicknickt und über Carl geredet. Zu Hause haben wir Fotos aufgestellt und zum Beispiel einen großen Rahmen angebracht, in dem wir je nach Jahreszeit sein Lieblingsoutfit aufhängen. Und wir haben Erinnerungsalben erstellt, die wir regelmäßig gemeinsam anschauen und so Carl besonders nahe sind.

Zurück in einen Alltag zu finden, ist nach so einem großen Verlust schwer. Was hat euch Kraft gegeben?

In den Alltag zu finden, ist ein Prozess. Nach so einer langen Zeit, in der Krankenhaustermine und Behandlungen den Alltag bestimmt haben, vergisst man, wie sich ein „normales“ Familienleben anfühlt. Unsere Kinder haben uns die Kraft gegeben, weiterzumachen. Der Zusammenhalt in unserer Familie ist sehr groß, und ich denke, Carls Geschwister sind durch das Erlebte sehr zusammengewachsen.