Interview: Krebskrank in Zeiten von Corona

Derzeit bestimmt vor allem ein Thema unseren Alltag: Covid-19 oder auch das Coronavirus genannt. Was bedeutet das eigentlich für eine Familie mit einem krebskranken Kind? Regina Kienatz und ihr Sohn Johannes standen uns für einige Fragen zur Verfügung. Wir sagen jetzt schon einmal: danke für die spannenden Einblicke!

Kinderkrebshilfe Mainz: Wie wurden Sie auf die aktuelle Lage aufmerksam?
Wir haben von dem Thema erstmals in der Rehabilitationsklinik erfahren und uns dort direkt informieren können. Durch die Medien haben wir dann von den Kontaktsperren mitbekommen, wodurch uns das Thema noch einmal bewusster wurde. Denn nicht nur unser Sohn Johannes zählt als Krebspatient zur Risikogruppe, sondern auch sein Vater, der an Asthma leidet.

Kinderkrebshilfe Mainz: Wie war die Reaktion von Johannes?
„Super keine Schule!“, das war der erste Gedanke von Johannes. Aber als die Info über den Hausunterricht kam, war die Freude aber auch schnell wieder verschwunden.

Nach und nach wird einem dann erst so richtig klar, dass das Virus nun den kompletten Alltag verändert.

Kinderkrebshilfe Mainz: Was hat sich konkret verändert?
Wir halten uns sehr streng an das Besuchsverbot für Freunde, aber auch für die engsten Verwandten. Das heißt: keine Familienfeiern, Geburtstage und auch das Osterfest fiel aus. Sogar die Erstkommunion wurde abgesagt. Johannes stand eigentlich vor der Rehabilitation in den Alltag nach seiner Therapie. Dies ist nun aufgrund von Covid-19 nicht möglich. Die Rehabilitation zieht sich weiter hin. Das ist ehrlich gesagt einfach ermüdend.

Kinderkrebshilfe Mainz: Wie sieht der Alltag nun aus?
Wir beschäftigen uns mit den Schulaufgaben, basteln viel gemeinsam, spielen Gesellschaftsspiele oder verbringen Zeit im Garten. WhatsApp, Telefonate, Netflix, Fernsehen und die Playstation gibt es ja auch noch.

Aber wir versuchen, möglichst viel Alltag bewusst miteinander zu leben.

Kinderkrebshilfe Mainz: Wie waren die Reaktionen aus dem näheren Umfeld?
Viele Leute haben sich erkundigt, was die aktuelle Situation – die ja für jeden eine Ausnahme darstellt – für uns bedeutet. Einige waren interessiert, viele auch besorgt. Aber am Ende zeigen natürlich alle viel Verständnis für unsere Vorsichtsmaßnahmen. Jetzt ist einfach jeder gefragt:

Mit dem zuhause bleiben kann man schließlich Leben retten. So einfach ging das noch nie. Wir ermutigen alle, sich an die Vorgaben zu halten – so nervig sie auch sein können.

Kinderkrebshilfe Mainz: Inwiefern hat die Pandemie Auswirkungen auf die laufende Behandlung?
In der Klinik mussten Abläufe auch angepasst werden. Wir fragen nun immer einen Tag vor dem stationären Aufenthalt nach der aktuellen Lage. Außerdem müssen natürlich eventuelle Symptome sofort gemeldet werden. Vorsicht ist nun das A und O.

Kinderkrebshilfe Mainz: Wie geht man als Eltern mit der Situation um?
Wir haben Respekt, aber keine Angst. Das würde die Situation nicht besser machen. Wir finden, man sollte den Kindern die Lage auch offen erklären – natürlich altersgerecht.

Kinderkrebshilfe Mainz: Welche Tipps gibt es für andere betroffene Eltern in dieser Zeit?
Entspannt bleiben und sich nicht aufregen. Die Zeit ist jetzt sehr intensiv und man sollte die aktuelle Phase als geschenkte Familienzeit sehen:

Seid bewusst und dankbar für das, was ihr habt!

Kinderkrebshilfe Mainz: Vielen Dank an Regina und Johannes Kienatz für das tolle Gespräch und alles Gute!

Diesen Beitrag teilen:

<< Zurück zur Liste